Geburtsgeschichte einer Hausgeburt – Lucienne Juniper
Lucienne Juniper
"Die dritten lassen sich bitten"
In der Schwangerschaft habe ich bei Nachfragen immer gesagt, dass unser Baby an Weihnachten kommt. Mein ET war nämlich am 17. Dezember. Doch eigentlich habe ich gehofft, dass es schon Anfang Dezember geboren wird. Den Satz „Die Dritten lassen sich bitten.“ hatte ich irgendwann mal gehört und abgehakt – für mich gilt es ganz bestimmt nicht. Hoffentlich …
Bereits Anfang Dezember hatte ich gelegentlich recht deutliche Senkwehen. Das war die erste Schwangerschaft, bei der ich das so erlebt habe. Ich hatte auch oft Übungswehen. In den letzten zwei Wochen vor der Geburt hatte ich mehrmals stundenlange Phasen mit regelmäßigen Wehen alle ca. 5–7 Minuten. Sie sind allerdings nicht intensiver geworden.
So ist unser ET gekommen und vorbeigegangen, ohne dass wir ein Baby im Arm halten durften. Da meine vorherigen zwei Geburten vor oder am ET waren, war es nach dem ET für mich sozusagen Neuland. Ab da hatte ich Tag für Tag gehofft und in mich hineingespürt, ob das Baby nicht doch an diesem Tag geboren werden möchte. Und jedes Mal bin ich zum Schluss gekommen: Ja doch, ich bin auf jeden Fall bereit und ich kann mir gut vorstellen, dass es heute beginnt.
Es war dann aber doch noch nicht so weit.
So kam auch Heiligabend und danach der erste Weihnachtstag. Ich hatte mich bereits entschieden, erst nach den Feiertagen über natürliche Einleitungsmethoden nachzudenken. So lange kann ich ja noch gut abwarten.
Also haben wir uns aufgemacht, um Weihnachten bei meinen Eltern zu feiern. Über den Tag hatte ich nur On-and-off-Wehen, das war mir ja aber schon täglich Brot, also bin ich mitgegangen. Ich habe bereits nach einer halben Stunde gemerkt: Nein, das ist mir doch alles zu viel – der Trubel und das Spielen der Kinder.
Es kamen wieder diese regelmäßigen Wehen, mit denen ich die letzten Tage nichts anfangen konnte. Die sind auch immer nach ein paar Stunden vergangen. Ich habe mich trotzdem entschieden, dass ich mich doch lieber ausruhen und diese Wehenphase alleine daheim vergehen lassen möchte.
Ich habe meinem Mann gesagt, er solle ruhig mit den Kindern dortbleiben bis nach dem Abendessen. Dann könnten wir noch einmal schauen, wie es aussieht und ob wir die Kinder noch eine Weile mit den Cousins spielen lassen oder sie daheim schon mal ins Bett bringen.
Ich bin nach Hause gefahren und habe erst einmal losgelegt, die Küche aufzuräumen und zu spülen – mein gewohntes Abendritual.
Meine Wehen, tja … so richtig was ist es nicht, aber ganz nichts auch nicht.
Um 19 Uhr habe ich um noch eine Stunde Bedenkzeit gebeten, schlichtweg weil ich gemerkt habe, dass ich noch keine Kapazität und gleichzeitig keine Antwort darauf hatte, ob es überhaupt losgeht oder nicht.
Um 20 Uhr ist mein Mann dazugekommen. Die Kinder haben wir bei den Großeltern gelassen.
Wir haben geredet. Ich habe ihm von meiner Frustration erzählt, dass ich doch so sehr gehofft hatte, wir hätten die Geburt schon seit einer Woche oder mehr hinter uns haben können. Ich habe mich damit trösten lassen, dass das Baby an Silvester dann auf jeden Fall hier sein wird.
Wir haben uns dazu entschieden, die Kinder weiterhin bei meinen Eltern zu lassen und sie später schlafen zu legen. Ich habe mich auf den Gymnastikball gesetzt und mein Mann hat den nächsten Harry-Potter-Film angemacht.
Nach 5–10 Minuten war mir nicht mehr nach Film zumute. Es war schon 20:45 Uhr und ich wusste immer noch nicht, ob wir die Kinder nach Hause holen sollen oder ob vielleicht doch die Geburt bevorsteht.
Ein paar Minuten später haben wir uns entschieden: Wir machen das einfach. Wir lassen die Kinder bei meinen Eltern übernachten und rufen Saskia an.
Hinterher kam eine Wehenpause – so, wie ich das bei den anderen Geburten nach dem entscheidenden Anruf erlebt hatte. Entsprechend kamen auch Zweifel auf, ob es nicht doch doof war, Saskia an Weihnachten zu holen.
Doch eine halbe Stunde später nehmen die Wehen wieder Fahrt auf und ich lasse meine Schwester anrufen, die ein Geburtsvideo machen wird.
Um 22:15 Uhr kommt Saskia an. Ich bin erleichtert und freue mich. Ich bekomme das Gefühl: Es ist wirklich Zeit für die Geburt. Auch wenn die Wehen noch nicht ganz intensiv sind, denke ich, sie werden sicher bald stärker.
Eine Stunde später ist es für mich sicher: Das Baby kommt bald.
Ich spüre langsam leichten Druck nach unten. Gegen 23:20 Uhr taste ich nach. Ich ertaste keine Vorblase, die ich bei der letzten Geburt so gut in Erinnerung hatte.
Ein paar Wehen später, gegen 23:40 Uhr, spüre ich, wie Flüssigkeit abläuft. Ich freue mich. Ich darf das Baby sicher bald im Arm halten. Es fühlt sich so gut an zu wissen, dass wir so nah dran sind.
Mein Körper ist so stark und arbeitet so gut.
Ich merke, wie sich das Köpfchen senkt. Es ist bestimmt bald da.
Um 23:44 Uhr ist ganz deutlich der Blasensprung.
In der nächsten Wehe ist das Baby da.
Ich bin total überwältigt, so glücklich und irgendwie überrascht. Das Baby war wieder schneller da, als ich dachte.
Ich nehme das Baby hoch und schaue nach: Es ist ein Mädchen.
Da müssen auch die Tränen fließen. Ein unglaubliches Gefühl.
Sie ist so süß und hübsch.
Sie ist noch vor Mitternacht geboren: um 23:47 Uhr.
Also haben wir noch das coole Geburtsdatum erwischt: 25.12.2025.
Die Kleine schaut mich an, so ruhig und neugierig. Sie ist so hübsch und wach!
Kurz danach wird die Plazenta geboren und ich dusche mich kurz ab, bevor ich mich mit der kleinen Maus ins Bett lege.
Eine dritte Geburt mit der einfühlsamen Begleitung von Saskia.
Wir sind unendlich dankbar dafür!