Geburtsgeschichte von
Johanna Nora
Johanna Nora
„Ein perfekter Tag“
Unser zweites Kind durfte natürlich auch zuhause auf die Welt kommen. Thorin unser Großer war schon eine glückliche erste Geburt mit Saskia. Die Schwangerschaft verlief diesmal anders, wie sollte wohl die Geburt werden? Ich war gespannt und freute mich auf die Erfahrung als Zweitgebärende. Die Vorsorge machte ich diesmal nur bei Saskia, außer die drei Ultraschalluntersuchungen.
Zum Glück hatte ich diesmal eine entspannte Gynäkologin gefunden, die dies sehr gut akzeptierte und auch wertschätzte, was Hebammen leisten. Ab der 38. Woche war ich bereit, doch das Kindlein noch nicht. Thorin kam 38+0 ziemlich spontan. Diesmal wollte ich in der Regentonne gebären, sie stand im Wohnzimmer und war schön bemalt und beschrieben mit Segenswünschen. Ich freute mich auf den Tag, da endlich reinzusteigen. Wieso Regentonne? Thorin habe ich im Stehen geboren. In der Regentonne kann ich stehen und bin im Wasser – das klingt gut für mich. Dann kam endlich der perfekte Tag. Simon war zuhause, wir machten morgens mit Thorin einen ausgiebigen Spaziergang im Wald. Als wir zurückfuhren, merkte ich leichte Wellen. Ich war in der 40+1 Woche und bereit.
Ich wollte mich aber nochmal hinlegen, denn hoffentlich habe ich genug Kraft für die nächsten Stunden. Aber das war nicht mehr möglich. Ich war zu aufgeregt und hatte noch tausend Dinge im Kopf, die ich erledigen wollte. Um ca. 16.30 Uhr rief ich Saskia an, weil Simon mich nötigte, mal Bescheid zu geben. Saskia hat nämlich einen langen Anfahrtsweg. Meine Wellen waren bis dahin leicht und regelmäßig, ca. alle 10 Minuten. Ich wollte aber wirklich sicher sein, dass es ernst wird. Wir telefonierten in einer Stunde nochmal. Um 17.45 Uhr fuhr Saskia los. Um 19.30 Uhr war sie bei uns zuhause.
Simon empfing Saskia an der Tür, ich lag im Wohnzimmer auf der Yogamatte und machte Übungen. Es war alles hergerichtet und Thorin war bei Oma Gaby „Urlaub machen“. Alle beteten für eine gute Geburt. Meine Wellen waren nun alle fünf Minuten kurz und mittelkräftig. Kurze Zeit später kam meine liebe Freundin Anna noch dazu, jetzt kann es losgehen, dachte ich. Es fühlte sich aber noch weit entfernt an. Sogar schon etwas unangenehm, dass alle da sind, aber ich nicht „bereit“ bin.
Ich fragte Saskia, was ich tun könne, um die Geburt zu beschleunigen. Sie sagte, ich solle einfach ruhen, ich legte mich aufs Sofa. Die Stimmung im Haus war richtig schön, alle verstanden sich gut und ich tat einfach das, wonach mir war. Simon zündete ein großes Feuer im Garten an. Inzwischen war es 22 Uhr, die Wellen veratmete ich draußen am Feuer. Ich merkte gar nicht, dass sie mich eigentlich schon überrollten und sehr stark waren. Schmerzen fühlte ich kaum, es war mehr ein starker Druck. Meine Freundin Anna erinnerte mich immer wieder daran: „Lass deinen Kiefer entspannt und lächle, Nora. Du schaffst das.“
Plötzlich stand Simon auf und sagte: „Ich lasse jetzt das restliche Wasser ein, ich glaube, es geht nicht mehr lange.“ Dabei grinste er mich an und gab mir einen Kuss. Ich ging auch ins Haus, ich musste dringend auf die Toilette. Es waren ein paar Tropfen frisches Blut dabei, ich sagte Saskia Bescheid. Wenn sich der Muttermund öffnet, kann das passieren, sagte sie. Wir gingen gemeinsam ins Wohnzimmer. Um 22.22 Uhr hatte ich den Blasensprung unter einer Welle mit einem leichten Druck. Das Fruchtwasser war reichlich und leicht grün.
Die Herztöne vom Kind waren erhöht, daher bat Saskia mich, nicht ins Wasser zu steigen. Mir war zu dem Zeitpunkt klar, es ist sowieso zu spät für meine Regentonne. Ich wusste, was als Nächstes kommt. Da kam die erste Presswehe, ich war im Hirtenstand. Anders als bei Thorin wusste ich jetzt genau, was ich tun musste. Dieses Gefühl wird man wahrscheinlich nie mehr vergessen. Ich hielt meine Hände nach unten und spürte den Kopf, es war 22.30 Uhr. Kurz darauf schob ich nochmal gut mit und das Kind glitt in meine Hände.
Sie hatte die Hand am Kopf und die Nabelschnur war leicht um ihren Hals gewickelt. Ich setzte mich in den Fersensitz und betrachtete mein Kind. Es war ein Mädchen. Ich konnte es nicht glauben, sie war schon geboren. Simon setzte sich neben uns und wir begrüßten unser neues Familienmitglied Johanna. Überglücklich und total geflasht, wie schnell, einfach und schmerzarm doch alles ging. Wir warteten auf die Plazenta, sie wurde ca. 30 Minuten später geboren. Simon durchtrennte sie und legte sie in die vorbereitete schöne Schale.
Ich legte mich aufs Sofa und kuschelte mit der kleinen Johanna, die eingepackt war in warme Tücher. Da ich in den letzten Wochen Kolostrum gesammelt hatte, trank sie schon fleißig in großen Schlucken an der Brust. Anna verabschiedete sich gegen 0 Uhr zu ihrer Familie. Später ging ich auf die Toilette und unter die Dusche. Danach schaute Saskia nach Verletzungen. Keine Intervention nötig, wie schön. Kalte Einlagen in Calendula-Tinktur getränkt, das tat gut.
Saskia klärte uns noch über mögliche Zeichen einer Infektion aufgrund des grünen Fruchtwassers auf. Wir fühlten uns sicher zuhause und verabschiedeten die liebe Saskia um ca. 2.30 Uhr. Eine perfekte Geburt für mich und Johanna. Vielen herzlichen Dank an alle, die Johanna und mich an diesem Tag begleitet haben – im Gebet, in Gedanken und im Herzen. Wie wundervoll und dankbar ich bin, auf solche Geburten zurückschauen zu können.
Danke an Saskia, die dies ermöglicht hat.
Von Herz zu Herz
Johanna mit Thorin
Nora und Simon