Geburtsgeschichte von
Camilla

Hebamme Saskia de Koning Bild Storch

Camilla

Kraftvoll, selbstbestimmt und liebevoll begleitet – meine Hausgeburt

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ging es los: Ich bekam regelmäßige Wehen und mein Schleimpfropf ging ab. Da wusste ich: Die Geburt meines ersten Kindes kündigt sich an. Auch wenn es bis zur tatsächlichen Geburt noch eine ganze Weile dauern sollte. 

 

Ich war zu diesem Zeitpunkt bei 41+4 und mittlerweile durchaus ein bisschen ungeduldig. Vor allem hatte ich Sorge, dass irgendwann doch eine Einleitung im Raum stehen könnte. Umso mehr freute ich mich, als die Wehen etwa alle sieben bis zehn Minuten kamen. Ich dachte: Jetzt geht es wirklich los! 

Am Donnerstagmorgen schliefen die Wehen dann aber leider wieder ein. Über den Tag verteilt hatte ich mal jede halbe Stunde, mal nur jede Stunde eine Wehe. Das hat mich tatsächlich traurig gemacht, weil ich mich schon so darauf gefreut hatte, dass unser Baby an diesem Donnerstag geboren werden würde. 

Ich telefonierte mit Saskia. Sie riet mir, mich auszuruhen, möglichst viel zu schlafen und Kraft zu sammeln. Also machte ich genau das. Ich machte es mir zu Hause gemütlich, kuschelte mich ins Bett und versuchte, mich ganz bewusst zu entspannen. Am Abend machte ich noch einen kleinen Spaziergang im Wald und telefonierte vor der Nacht noch einmal mit Saskia. 

 

Sie erklärte mir, dass ich mich in der Latenzphase befände und dass es völlig normal sei, wenn diese eine Weile dauere. Es könne durchaus noch zwei oder drei Tage so weitergehen. 

So war es aber nicht. 

 

Jetzt geht es wirklich los 

Ich ging abends ins Bett und wurde gegen ein Uhr nachts von kräftigen Wehen geweckt. Meine Mutter war meine Geburtsbegleitung und so weckte ich sie ebenfalls. Von da an haben wir die Wehen gemeinsam veratmet und vertönt. 

Außerdem klebten wir mir ein TENS-Gerät auf den Rücken. Das kann ich rückblickend wirklich empfehlen. Mir hat es unglaublich gut dabei geholfen, mit dem Wehenschmerz umzugehen. 

Mit der Zeit wurden die Wehen immer kräftiger und die Abstände immer kürzer. Meine Mutter fragte mich zwischendurch immer wieder: „Was machen wir, wenn das Baby jetzt kommt?“ Aber ich hatte das sichere Gefühl: So weit ist es noch nicht. 

Gegen fünf Uhr morgens riefen wir Saskia an. Sie ging direkt beim ersten Klingeln ans Telefon. Wir sagten ihr, dass sie jetzt bitte kommen solle. Die Wehen waren inzwischen wirklich stark und kamen etwa alle drei bis fünf Minuten. Da Saskia gut eine Stunde Anfahrt zu uns hatte, war für mich der Zeitpunkt gekommen, an dem ich sie gerne bei mir haben wollte. 

Um 6:40 Uhr kam sie bei uns an. Sie kontrollierte zunächst meine Vitalzeichen, hörte nach den Herztönen unseres Babys und untersuchte mich. Alles war gut, und von meinem Muttermundsbefund war sie sogar positiv überrascht: fünf Zentimeter. 

 

In der Badewanne 

Danach ging ich in die Badewanne. Das warme Wasser tat gut, auch wenn die Wehen mittlerweile wirklich sehr schmerzhaft waren. 

Um 8:38 Uhr sprang schließlich die Fruchtblase. Saskia fragte mich irgendwann, ob ich mich nicht einmal selbst untersuchen wolle. Gesagt, getan – und ich stieß mit meinen Fingern direkt auf das Köpfchen meines Babys. 

Der Muttermund war vollständig eröffnet. Von da an konnte ich ganz nach meinem eigenen Gefühl mitschieben. 

Diese letzten Meter waren für mich vor allem eines: Willenskraft. Über den Schmerz hinwegzuschieben und gleichzeitig zu spüren, dass mein Baby immer näher kommt, war unglaublich intensiv. 

Und trotz dieses Schmerzes war es eine wunderschöne Erfahrung. 

Ich war in einer tiefen Hocke und hatte eine Hand am Köpfchen meines Babys. So konnte ich unmittelbar spüren, wie es Stück für Stück geboren wurde. Meine Mutter und Saskia waren die ganze Zeit bei mir, haben mich gestützt, begleitet und mir gleichzeitig den Raum gelassen, mein Baby selbst zu gebären. 

Nach etwa 20 Minuten Presswehen war unser kleines Wunder da. 

Die Herztöne meines Babys waren während der gesamten Geburt gut gewesen. Und auch wenn die Geburt körperlich unglaublich intensiv war, habe ich sie als kraftvoll, selbstbestimmt und liebevoll begleitet erlebt. 

 

Und dann kam die Plazenta 

Mit der Geburt meines Babys war die Geburt für meinen Körper allerdings noch nicht ganz vorbei. Da ich leicht zu bluten begann, stieg ich für die Plazentageburt aus der Badewanne und ging ins Bett. Dort angekommen spürte ich Nachwehen und 14 Minuten nach der Geburt meines Babys wurde auch die Plazenta geboren. 

Mit ihr kam allerdings auch ein ordentlicher Schwall Blut. Insgesamt verlor ich etwa einen Liter. 

Saskia begann sofort mit dem entsprechenden Notfallmanagement. Sie gab mir Oxytocin, damit sich meine Gebärmutter kräftig zusammenzog, zusätzlich bekam ich Hirtentäscheltropfen. Gleichzeitig massierte und hielt sie meine Gebärmutter. Ich trank außerdem zwei Liter Elektrolytlösung. Nach kurzer Zeit stand die Blutung und meine Gebärmutter war fest kontrahiert. 

Was mich im Nachhinein selbst überrascht: Ich hatte in diesem Moment keine Angst. Ich war nicht nervös und hatte auch nicht das Gefühl, dass die Situation außer Kontrolle geriet. Ich hatte vollstes Vertrauen in Saskia und zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, dass sie genau wusste, was sie tat und die Situation im Griff hatte. 

Nachdem die Blutung gestoppt war, versorgte Saskia meine Geburtsverletzungen und wir legten mein Baby an die Brust. Die ganze Zeit über war mein Baby bei mir und wir hatten Haut-zu-Haut-Kontakt. 

Und irgendwann, als alles versorgt war und langsam Ruhe einkehrte, saßen wir mit Saskia zusammen und aßen gemeinsam Mittag. 

 

Für mich war das ein runder Abschluss dieser Geburt: Nach all der Anstrengung, der Intensität und Aufregung saßen wir einfach gemeinsam zu Hause am Tisch und unser Baby war da. 

Wenn ich heute an meine Geburt zurückdenke, bleiben für mich vor allem drei Worte: kraftvoll, selbstbestimmt und liebevoll begleitet. 

Ich durfte meinem Körper vertrauen, mein Baby mit meiner eigenen Hand auf seinem Weg ins Leben spüren und es in unserem Zuhause zur Welt bringen. Gleichzeitig durfte ich erleben, wie wichtig es ist, eine Hebamme an seiner Seite zu haben, der man vollkommen vertrauen kann und die auch in kritischen Situationen professionell handelt und Ruhe ausstrahlt. 

 

Für diese Erfahrung und diese Begleitung bin ich sehr dankbar. 

 

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